Seit dem 20. November vergangenen Jahres ist der nun bereits 6. Guitar Hero Konsolentitel in europäischen Geschäften für alle next-Generation Konsolen, sowie für die Playstation 2 erhältlich. Und der Anstieg der Verkaufszahlen scheint nicht abflauen zu wollen. Wie sein Vorgänger, der als erstes Videospiel überhaupt mehr als 1 Milliarde Dollar in die Kasse von Activision gebracht hat, setzt der Erfolg mit World Tour fort, da bereits Spielhallen und sogar Kneipen sich mit dem Spiel aufrüsten, um neue Kundschaft zu gewinnen. Dabei spaltet kaum ein anderes Game so heftig die Gemüter. Während die Einen es kopfschüttelnd verachten, jagt es Musik- und Highscorezockern regelrecht die Freudentränen ins Gesicht.
Wer an dieser Stelle denkt, er habe ohne echte Instrumentenkenntnisse keine Chance, liegt vollkommen falsch, denn genau darin liegt das Erfolgsrezept des Spiels, nämlich das ausnahmslos jeder mit diesem Spiel den Traum einmal ein Rockstar zu sein verwirklichen kann und obwohl das Spiel den Titel „Gitarrenheld“ trägt, kommen seit der neuesten Version auch Drummer und Sänger voll auf ihre Kosten. Anders als bei der Gitarre, die mit 5 farbigen Tasten als Griffbrett und einer strum bar als Anschlagsknopf auskommt, funktioniert das Schlagzeug exakt wie ein handelsübliches, kleines e-drumset.
Ganz nach dem Motto Sex, Drugs and Rock’n Roll stürzt ihr euch also entweder mit euren realen Freunden als neue Band (2-4 Spieler) oder als Mitglied einer Fremden Band (1 Spieler) ins Rockerleben und habt zahlreiche Auftritte rund um den Globus. Auch wenn GHWT in diesem Punkt das Rad nicht neu erfindet (Rockband ermöglichte es bereits auch andere Instrumente zu bedienen ) wird es von vielen als Meilenstein der Videospielgeschichte angesehen. Höchste Zeit also für einen ausführlichen Review.
Handlung und Atmosphäre:
Entscheidet ihr euch wie vorgesehen als erstes für den Karrieremodus verdient ihr euch zunächst noch mit kleinen Gigs das erste Geld bis man schließlich als etablierte Band Auftritte auf dem Ozzfest hat oder sogar selbst veranstaltete Konzerte gibt. Bei den Auftritten wird man dann von der Wucht des Spiels förmlich mitgerissen, sodass jeder der es spielt augenblicklich jegliche Hemmungen aus dem Fenster wirft und anfängt loszurocken. Dabei herrscht dann in der Zockerstube meist die gleiche Stimmung wie auf dem virtuellen Konzert: geballte Action und ausgelassene Stimmung!
Nach einer Jam-Session laufen einem meist die Schweißperlen übers Gesicht, und man kann es Kaum noch erwarten mit dem nächsten Song zu beginnen.
Eigentliches Ziel des Spiel ist es, alle Auftritte erfolgreich zu bestreiten, was für die meisten aber nicht im Vordergrund steht. So haben sich vorallem Die Hardcore-Zocker darauf konzentriert die schwierigsten Songs nach tagelangem Üben auf der höchsten Stufe mit 100 % abzuschließen und Punkte zu sammeln, um in der Highscore-Liste weit oben zu stehen
Spielprinzip:
Den Meisten sollte Das Spielprinzip bereits bekannt sein: Im Vordergrund des Bildschirms befindet sich ein animiertes Griffbrett, auf dem sich 5 verschiedenfarbige, nebeneinander angeordnete Kreise befinden. Diese stellen die 5 Grifftasten am Hals der Gitarre, bzw. die Anschlagsplatten des Schlagzeuges dar. Fängt das Lied an, erscheinen im Hintergrund Punkte, die sich auf einer Linie zum dazugehörigen Kreis nähern und dem Spieler je nach Schwierigkeitsstufe unterschiedlich schnell entgegenkommen. Sobald sich der Punkt in dem Kreis befindet, muss vom Musiker reagiert werden.
Als Gitarrist wird der dazugehörige Knopf gedrückt und anhand der Anschlagsleiste angeschlagen, während der Schlagzeuger im richtigen Moment das richtige „Fell“ bearbeiten muss. Bei der EKG-ähnlichen Anzeige des Sängers muss darauf geachtet werden, dass immer in vorgegebener Tonhöhe und zur richtigen Zeit gesungen wird. Wer bereits einmal Singstar gespielt hat, wird damit keine Probleme haben.
Das hört sich alles erst einmal sehr viel Komplizierter an als es wirklich ist. Nach ein bis zwei Liedern, hat wirklich Jeder das Prinzip verstanden und weiß was zu tun ist. Da Anfängerfreundlichkeit groß geschrieben wird, sollte in Sachen Schwierigkeit wirklich jeder bedient sein. Der Schwierigkeitsgrad ist einstellbar von Neuling bis Profi, was in diesem Fall bedeutet von „grobmotorisch anspruchslos“ bis „für Normalsterbliche aussichtslos“ und bietet für Anfänger gut verständliche Tutorials.
Um letztendlich Lieder auf den Schwierigkeitsstufen Schwer und Profi, die über eine höhere Geschwindigkeit und mehr Töne verfügen, zu meistern, benötigt man jedoch viele Stunden Übung, wie es auch bei echten Instrumenten der Fall ist.
Neuheiten:
Um sich noch mehr mit den virtuellen Rockern, die man im Spiel verkörpert, identifizieren zu können, ist es seit neuestem sogar möglich, seinen Charakter nach eigenen Vorstellungen bezüglich des Outfits und Aussehens zu kreieren. Habt ihr erst einmal genug Geld verdient, können sogar Sonderanfertigungen der virtuellen Klampfen und Schlagzeuge angefertigt werden.
Konzipiert für den Multiplayer Modus können auch online die Fetzen fliegen. Entweder messt ihr euch im Wohnzimmer VS. Wohnzimmer Battle mit anderen Bands rund um den Globus oder tretet im solo Duell eines Instrumententyps gegen eine andere Person an.
Eine weitere Innovation und ein gleichzeitig äußerst interessantes Gadget ist der Songeditor, der es ermöglicht eigene Songs mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer zu erstellen. (Gesangspur/Text kann nicht eingefügt werden). Der Umgang damit muss jedoch erst einmal gelernt werden, da der Editor ausgesprochen umfangreich, und nicht nur ein kleines Gimmick am Rande ist. Die Palette an Toneffekten ist enorm groß was Bastler und Songwriter lange Zeit beschäftigen wird.
Ist man mit seinem Meisterstück fertig kann es (zurzeit noch) kostenlos auf GHTunes hochgeladen und mit anderen Guitarheros auf der ganzen Welt geteilt werden. Ebenso kann man dort die Lieder anderer Leute herunterladen.
Die Tracklist:
eine der wichtigsten Rollen spielt jedoch die Tracklist, also die im Spiel verfügbaren Songs. Sehr positiv zu bewerten ist, dass zum ersten Mal ausschließlich Originalversionen implementiert wurden. Die Gefahr, dass das Lieblingslied also durch eine grottenschlechte Coverband versaut wurde (wie es teilweise in den Vorgängern der Fall war) ist demnach endgültig gebannt. Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, ist eine einfache Bewertung jedoch nicht möglich. Die einen sind begeistert, die anderen etwas weniger.
Man kann jedoch definitiv sagen, dass unter den 86 verfügbaren Songs für jeden Geschmack etwas dabei ist. Da neben Tokio Hotel und Linkin Park auch zahlreiche Oldies (z.B. von the Doors oder der Steve Miller Band) vertreten sind, wird deutlich, dass nicht nur die junge Generation angesprochen wird. Zudem bewirkt das spiel automatisch, dass die Jugend Hits aus den guten alten Zeiten und erwachsene Spieler die Musik der Jugend kennenlernt.
Für diejenigen, die die Songliste schnell satt haben und nach neuem „Rockstoff“ dürsten, ist selbstverständlich jederzeit mit Nachschub in Form von Download Content gesorgt. Zurzeit sind 65 zusätzliche Lieder verschiedenster Interpreten verfügbar, was sich jedoch stetig vermehrt. Erhältlich sind diese einzeln und in bestimmten Dreierpacks. Einzelne Lieder schlagen mit jeweils 1,99 € zu Buche, die Trackpacks für 5,99 €.
Einige Wenige Songs sowie zwei Gitarrenduelle der Ausnahmegitarristen Ted Nugent und Zakk Wylde stehen (teilweise für einen begrenzten Zeitraum) kostenlos zum Download bereit.
Die Instrumente:
Ein Heikles Thema in GHWT sind die neuen Instrumente. Die Neue Gitarre entzückt durch makellose Verarbeitung und ausgesprochen gute Handhabung, da sie größer ist als die Vorherige und mit einem längeren Tremolo und einer Starpower-Taste direkt neben der Anschlagsleiste ausgerüstet ist. Durch Letztere wird einem die Aktivierung des Punktebonus äußerst erleichtert, da man in den Vorgängern dazu die Gitarre ruckartig anheben und gleichzeitig weiterspielen musste.
Außerdem verfügt sie über eine Slide-bar, die anspruchsvolle Solo-Passagen deutlich vereinfacht, da während Benutzung nur gegriffen, und nicht mehr angeschlagen werden muss. Wem das „sonnengebrannte“ Outfit nicht gefällt, kann es sich noch zusätzlich mit Stickern die im Spiel mit enthalten sind ein wenig aufmotzen.
Eine der beiden Neuheiten an Instrumenten, ist das Mikrofon. Auch dessen Verarbeitung ist durchaus akzeptabel. Einzig und allein der Umgang mit dem Kabel ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zum Glück ist es das einzige Instrument mit Kabel. Schlagzeug und Gitarre funktionieren kabellos via Empfänger die an den USB-Ports der Playstation angeschlossen werden.
Das Problemkind bei GHWT ist definitiv das Schlagzeug. Zum einen kommt es in vielen Fällen vor, dass nicht alle Gummiplatten, die als Becken und Toms dienen, so funktionieren wie sie eigentlich sollen. Teilweise muss eine Platte mit enormer Kraft betätigt werden, damit der Anschlag registriert wird, oder sie gehorchen von Anfang an gar nicht. Bei solchen Produktions- und Lieferfehlern hilft nur noch sofortige Reklamation. Entweder bekommt man direkt ein neues, oder das defekte wird zur Reparatur eingeschickt. (variiert von Geschäft zu Geschäft).
Ein weiterer Minuspunkt ist die Lautstärke, die das Drumset sogar unplugged verursacht, denn die Gummiplatten krachen was das Zeug hält. Daher sollte man das Spiel immer etwas lauter drehen um das Klocken der Gummibecken zu übertönen. Vorausgesetzt die Nachbarn teilen euren Musikgeschmack
Besitzer älterer Guitar Hero-Gitarren können diese selbstverständlich weiterhin benutzen.
Preis und Erweiterungen:
Erworben werden, kann das Spiel in vier verschiedenen Paketen, die im Instrumenten-Umfang und Preis voneinander variieren. Das Spiel, in Form der Disk ist dabei in JEDER Ausführung enthalten. Das Größte, sogenannte „Super-Bundle“ verfügt über eine ganze Bandausstattung, also eine Gitarre, Schlagzeug, Mikrophon. Leider ist sein Preis genauso „super“: ca. 175 € für Playstation 3, Wii und Xbox 360, während Besitzer einer Playstation 2 etwa 155 € zahlen.
Das Brieftaschen schonendere „Karaoke Bundle“ verfügt über Gitarre und Mikrophon und schlägt mit circa 100 € für alle next-gen Konsolen und 80 € für die Playstation 2 zu Buche.
Das preiswerteste Packet, das „Guitar Bundle“ mit einer Gitarre ist für 90 € für Wii, Xbox 360 und Playstation 3 zu haben, für Playstation 2 kostet es 75 €.
Inzwischen kann man außerdem jedes Instrument einzeln erwerben und sich somit seine Ausrüstung selbst individuell zusammenstellen. Dabei sollte aber immer auf den Preis geachtet werden, da die Bundle in den meisten Fällen günstiger sind.
Das einzelne Spiel kostet 70 € für Playstation 3 und Xbox, 60 € für Wii und 40 € für Playstation 2.
(Preisangaben von Amazon.de)
Da die Maschine zum Gelddrucken natürlich geölt werden will, ist Activison darauf konzentriert immer mehr Nachschub zu Liefern. Metallene Rocker und solche die es gerne werden wollen, dürfen sich beispielsweise auf Guitar Hero Metallica freuen, welches in Europa voraussichtlich im Mai 09 in die Läden kommt, während es in den USA schon am 29. März erhältlich sein wird. Neben den Hits von Metallica stehen außerdem Lieder von Queen, Slayer und Judas Priest in der Trackliste.
Neu ist auch die Unterstützung eines Doppelpedals, was den Drummer noch mehr ins Schwitzen bringen soll. Fans der anderen Musikgenre brauchen jedoch nicht den Kopf hängen lassen, denn Activison hat verkündet, das sie bis 2010 die Vielfalt der Guitar Hero Produkte gleich verdreifachen möchten um somit alle Geschmäcker zu befriedigen. Ob darunter die Qualität zu leiden hat, bleibt abzuwarten. 2010 darf man sich also voraussichtlich in Spielläden über eine Guitar Hero vollgepackte Ecke freuen, wie man es bereits von Singstarspielen gewohnt ist.
Fazit:
GHWT bietet zu seinem Vorgänger zahlreiche neue Gadgets. Die einen sinnvoll, die anderen weniger. Insgesamt steht aber der Karrieremodus im Vordergrund, der wie bei seinen Vorgängern einsame Spitze ist. Lediglich Cutscenes, wie sie in den Vorgängern vorhanden waren, werden die Einen oder Anderen vermissen. Wer also nach einer Chance sucht seinem Traum als Rockstar ein Stück weit zu erfüllen, oder einfach nur mit seinen Freunden abrocken will, sollte hier zuschlagen. Das Geld ist das Spiel im Hinblick auf den Spaß definitiv wert.